11.07.2018

GEWOBA investiert ganzheitlich in Klimaschutz und Integration

Der GEWOBA-Energiesparcheck sensibilisiert Geflüchtete im Umgang mit Energie.

Als größter Akteur der Bremer Wohnungswirtschaft hat die GEWOBA im Frühjahr 2017 damit begonnen, geflüchtete Menschen für einen bewussten Umgang mit Strom, Wasser und Heizung zu sensibilisieren. Das Projekt, das 2016 entwickelt wurde und in Kooperation mit der gemeinnützigen Klimaschutzagentur des Landes Bremen, energiekonsens, realisiert wird, weist bereits erste Ergebnisse auf.

Der GEWOBA EnergieSparCheck als Grundlage

Seit 2010 bietet die GEWOBA den Mietern ihrer rund 42.000 Wohnungen einen kostenfreien Service zur Optimierung der Nebenkosten an. Die Maßnahme ist eines von drei Handlungsfeldern, mit denen die GEWOBA ihr selbst gesetztes Klimaziel erreichen möchte. Um eine Senkung der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent gegenüber 1990 zu erzielen, sind energetisch optimierte Gebäude und eine möglichst nachhaltige Energieversorgung der Wohnhäuser nicht ausreichend. Mitentscheidend für den Erfolg ist ebenfalls das Wohnverhalten der Mieter. Denn, wo dauerhaft weniger Strom, Heizung oder Warmwasser verbraucht wird, sinken diese Verbrauchswerte nicht nur, sondern auch der CO2-Ausstoß.

Bis heute haben rund 3.000 Mieterhaushalte des größten kommunalen Wohnungsunternehmens im Land Bremen am GEWOBA EnergieSparCheck teilgenommen. Die Kosten dafür übernahm weitgehend die GEWOBA. „Durch einen sorgsamen Umgang mit Energie können die Mieter ihre Nebenkosten positiv beeinflussen und Nachzahlungen vermeiden, was wiederum die Grundlage für langfristige Mietverhältnisse ist“, erklärt Thomas Scherbaum, Leiter Immobiliendienstleistungen bei der GEWOBA. Andauernde und stabile Nachbarschaften machen Menschen nicht nur zufriedener, sondern auch glücklicher und gesünder, wie die Ergebnisse einer 2017 im Auftrag der Bertelsmann Stiftung von der Bremer Jacobs University durchgeführten Studie zum gesellschaftlichen Zusammenhalt1 zeigen. Die Studie – unterstützt durch die bremische Wohnungswirtschaft – vergleicht die Bremer Ortsteile miteinander und zeigt Lösungsansätze auf. „Wir investieren aus mehreren Gründen in die Energiekompetenz unserer Bewohner: Zum einen streben wir über langfristige Mietverhältnisse, ein gutes Miteinander in unseren Quartieren an. Zum anderen nehmen wir unsere Vorbildfunktion hinsichtlich des Klimaschutzes ernst“, so Scherbaum. Die Umsetzung einfacher Maßnahmen zur Reduktion der Wasser- und Stromverbräuche erzielte für einen durchschnittlichen Haushalt (2,8 Personen) eine Ersparnis von bis zu 226 Euro im Jahr. Durch die strategische Ausweitung des EnergieSparChecks auf Haushalte Geflüchteter kann seit rund einem Jahr auch diese wachsende Bevölkerungsgruppe langfristig zum effizienten Umgang mit Energie motiviert werden.

Ökologisches Bewusstsein und Integration von Geflüchteten

Seit 2014 wurden von der GEWOBA etwa 1.500 Wohnungen an Geflüchtete vermietet. „Unter lebenswertem Wohnraum verstehen wir auch ein gut funktionierendes Wohnumfeld und ein gutes soziales Miteinander“ heißt es in der Philosophie des Wohnungsunternehmens. Deshalb ist es wichtig, Menschen, die zum ersten Mal in Deutschland eine Wohnung beziehen, rechtzeitig auf die Herausforderungen durch stetig steigende Energiekosten vorzubereiten. Schließlich seien Nebenkostennachzahlungen von 1.500 Euro für einen Vier-Personen-Haushalt im Jahr nicht mehr nur die Ausnahme. Ein Problem, das langfristig nur dadurch beseitigt werden kann, wenn die Geflüchteten den bewussten und nachhaltigen Umgang mit Energie erlernen. „Wir haben es mit einer sehr heterogenen Gruppe von Menschen unterschiedlichster Herkunft, Kultur und Bildung zu tun“, erklärt Martin Grocholl, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur energiekonsens, die die Maßnahmen mit der GEWOBA konzipiert hat und das Projekt koordiniert. „Analphabeten zählen ebenso dazu wie Akademiker, Migranten aus städtischen Bereichen ebenso wie solche aus dem ländlichen Raum. Den Menschen ist teilweise gar nicht bewusst, dass Wasser, Strom und Energie hier Geld kosten und es keine Flatrate dafür gibt.“ Das Ziel der Initiative ist nicht nur die Sensibilisierung für Energieverbräuche und Kosten, sondern die Vermittlung von konkreten Maßnahmen zur Einsparung von Wasser, Strom und Energie. Die Maßnahmen werden seit 2017 in drei Modulen durchgeführt: Das erste betrifft die Übergangswohnheime, in denen Geflüchtete bereits bevor sie eine eigene Wohnung beziehen auf einen sparsamen Verbrauch mit Energie vorbereitet werden. Im zweiten Modul werden Multiplikatoren ausgebildet, die selbst einen Migrationshintergrund haben und in einem engen Kontakt zu Geflüchteten stehen. Das dritte Modul umfasst die Schulung direkt in den bezogenen Wohnungen.

Workshops in Übergangswohnheimen

„Um Verständnisprobleme zu überwinden, werden in den Wohnheimen einzelne Workshops für bestimmte Sprachgruppen wie Arabisch, Farsi oder Tigrinya angeboten. Eine übersetzende Fachkraft ist bei Bedarf immer dabei. Außerdem geben wir den Menschen zum Vertiefen der Inhalte Flyer in der jeweiligen Landessprache an die Hand“, so Grocholl. Das Informationsmaterial liegt inzwischen in sieben Sprachen vor. Zusammen mit dem Kooperationspartner, der Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft, werden jeden Monat zwei Workshops in Übergangswohnheimen durchgeführt. Dort lernen die Teilnehmer, wie sie am effizientesten heizen, kochen, kühlen, spülen, lüften oder allgemein Strom sparen. Anhand von konkreten Beispielen wird auf sehr anschauliche Art gezeigt, durch welche Maßnahmen Energieverluste vermieden werden und bares Geld gespart werden kann. Das Motiv, Geld einzusparen, kommt in der Regel bei allen Teilnehmern gut an. So wird beispielsweise durch Bilder und plakative Grafiken vermittelt, dass eine warme Badewanne mit rund 300 Litern Warmwasser 4,50 Euro kostet, während sechs Minuten warm zu duschen mit nur 60 Cent zu Buche schlägt. Durch die Senkung der Raumtemperatur um einen Grad Celsius lassen sich im Durchschnitt 135 Euro Heizkosten im Jahr sparen. "Mit solchen Beispielen wollen wir, etwas überspitzt gesagt, Menschen, die früher ganzjährig warme Temperaturen gewohnt waren, dazu animieren, lieber warme Kleidung zu tragen, als in Sommersachen in teuer überheizten Räumen zu sitzen,“ erläutert der energiekonsens-Geschäftsführer den Ansatz.

Schulungen von Multiplikatoren

Akzeptanz und Vertrauen sind wichtige Grundpfeiler des Projekts. Denn Geflüchtete nehmen am ehesten den Rat von Bezugspersonen an, die sie kennen. Um den hohen Beratungsbedarf erfüllen zu können, werden seit 2017 Multiplikatoren im Energiesparen geschult, die im engen Kontakt zu Geflüchteten stehen. Eine wichtige Gruppe sind muttersprachliche ehemalige Langzeitarbeitslose, die im kommunalen Förderprogramm "Sprinter" als Sprach- und Integrationslotsen, unter anderem beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen unterstützen. 20 solcher Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wurden 2017 ausgebildet und sind seitdem beratend in den Haushalten aktiv. Außerdem stehen die Wohnraumvermittler in den Übergangswohnheimen im stetigen Austausch mit Geflüchteten. „Eine weitere wichtige Zielgruppe sind die ehrenamtlichen Betreuer“, resümiert Martin Grocholl. „Wir werden in diesem Jahr diese Betreuer ebenfalls zu Multiplikatoren im Energiesparen qualifizieren.“ Denn, ist der erste Impuls zum bewussten Umgang mit Energie gesetzt, können weitere Maßnahmen folgen: In Kooperation mit dem bundesweiten Projekt Stromspar-Check führen Stromsparhelfer vor Ort eine Bestandsaufnahme der Geräte durch, analysieren die Verbräuche anhand der Abrechnungen und weisen die Bewohner konkret auf Energieräuber, wie beispielsweise zugestellte Heizkörper, tropfende Wasserhähne oder Geräte im Stand-by-Betrieb hin. In einem zweiten Termin erhalten die Mieterinnen und Mieter nicht nur eine individuelle Auswertung ihres Energieverbrauchs, sondern auch Sachleistungen zum Energiesparen wie LEDs, abschaltbare Steckerleisten oder Duschköpfe im Gegenwert von bis zu 70 Euro, finanziert über das Projektbudget.

Fazit

Dieses eigens für Geflüchtete entwickelte Projekt zur Einsparung von Energie dient nicht nur dem Klimaschutz, sondern gleichzeitig der Integration. „Ich freue mich, dass wir es schaffen, auf diese Weise mit den Menschen näher in Kontakt zu kommen“, erklärt Thomas Scherbaum von der GEWOBA. „Das Interesse an unseren Informationen und Hilfestellungen zeigt, dass die Berater es sehr gut schaffen, Geflüchtete zu erreichen und für Energiethemen zu interessieren und dadurch einen Beitrag zur Integration leisten.“ Das Projekt ist aktuell bis einschließlich 2019 budgetiert. Dann liegen Erfahrungswerte aus zehn Jahren Energie-Spar-Check vor.



Experten-Kontakt:
Thomas Scherbaum
Leiter GEWOBA-Immobiliendienstleistungen
Telefon: 0421 36 72-2 77
scherbaum@gewoba.de


Christine Dose
GEWOBA-Pressesprecherin
Telefon: 0421 36 72-1 01
dose@gewoba.de
presse@gewoba.de
www.gewoba.de

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