365 Tage Gemeinschaft trotz Pandemie

Nachbar:innen in der Neustadt singen täglich zusammen

Das chinesische Schriftzeichen für Krise beinhaltet zwei Silben, die einzeln gelesen die Worte Gefahr und Chance bedeuten. Die Bewohnerinnen des Beginenhofes in der Bremer Neustadt machen das Beste aus der Situation und treffen sich seit einem Jahr täglich zum gemeinsamen Singen.

 

Vor genau einem Jahr, am 22.03.2020 hörte die Bremerin Christine Siebel im Radio den Aufruf, für Pflegekräfte und Hauptakteure der Pandemie das Lied „Ode an die Freude“ zu singen. Gemeinsam mit 20 Nachbarinnen traf sie sich abends um 18:00 Uhr vor der jeweiligen Wohnungstür, und es wurde gemeinsam gesungen. Zunächst als Wertschätzung Anderen gegenüber. Schnell entwickelte sich aber ein Gemeinschaftsgefühl, ein fester Termin am Tag, der plötzlich keine Struktur mehr aufwies. Tag für Tag trafen sich die Frauen weiter um 18:00 Uhr, stimmten jeden Tag ab, welches Lied am nächsten Tag gesungen werden sollte. Die Aufgaben verteilten sich von allein. Eine Nachbarin suchte Texte raus, die nächste druckte sie aus. So entstand nach und nach ein rund 100seitiges Liederheft. 30 Mundorgeln wurden angeschafft.

 

Seit 365 Tagen treffen sich die acht bis 20 Frauen und ein Mann um 18:00 Uhr und singen bis zu 5 Lieder. Zum Abschluss wird stets ein Abendlied gesungen, dann geht man wieder seiner Wege. Das Anfangslied am Sonntag bildet immer noch „Ode an die Freude“.

 

„Wir freuen uns jeden Tag auf unseren Termin. Er gibt uns Struktur, etwas, worauf wir uns freuen können. Und ganz wichtig in diesen Zeiten: Wir haben ein Auge aufeinander. Wenn plötzlich jemand nicht mehr kommt, wird es bemerkt und man kann sich kümmern“ erklärt Christine Siebel ihre besondere Nachbarschaft. „Wir sind schon auch ein bisschen stolz auf unsere besondere Wohnanlage und das achtsame Miteinander. Und darauf kommt es ja in diesen Zeiten besonders an“, so Siebel weiter.

 

Natürlich steht der Infektionsschutz auch hier an erster Stelle. Der Beginenhof, ursprünglich als reine Frauenwohnanlage geplant, hält offene Laubengänge bereit. So kann jede Sängerin vor dem Wetter geschützt, aber trotzdem vor der eigenen Haustür stehen, mit großem Abstand zur nächsten Nachbarin. „ Das war uns von Anfang an sehr wichtig, wir wollen ja füreinander da sein, und uns nicht gefährden“ erklärt Christine Siebel.

 

Die GEWOBA freut sich über die nachbarschaftliche Aktion, Eigentumsverwalter Mark Fuhrmann meint: „Das spiegelt auch die Qualität einer solchen Bauweise wieder. Wohnen mit geschützten Innenhöfen, in denen Begegnungen stattfinden können – und das auch mitten in der Stadt.“

 

Wie lange es weiter geht? „Wir werden sehen.  Singen tun wir bestimmt weiter“, strahlt die 66 jährige.

 

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