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Bremen-Mitte. Es ist der erste Samstag des Monats auf dem Domshof. Vor dem Rathaus stehen Menschen mit Schildern. Auf den weißen Pappen steht in großen schwarzen Buchstaben: „OMAS GEGEN RECHTS“. Unter ihnen: Sabine Hollermann und Rona Schneider.

„Die großen Demos zu Beginn des Jahres 2024 waren für mich der ultimative Jetzt-oder-nie-Moment“, erzählt Sabine. „Ich wusste: Wenn du jetzt nicht aufstehst, kann es schon bald zu spät sein.“ Auslöser der Demonstrationen waren Recherchen des Netzwerks Correctiv, die bundesweit Proteste auslösten – auch in Bremen gingen hunderte Menschen auf die Straßen. „Das Gefühl in der Gruppe – das hat eine unglaubliche Kraft“, erzählt Rona. „Wir werden gesehen, gehört und wir können etwas bewegen.“ Die beiden Frauen gehören dem „Omas gegen Rechts Deustschland-Bündnis“ an.

 

Wofür die Omas gegen Rechts in Bremen 
und im ganzen Land stehen


1. Für Demokratie
2. Rassismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit entgegentreten
3. Nie wieder Faschismus – Erinnerungskultur bewahren
4. Für Migration und Integration, gegen Ausgrenzung
5. Für Frauenrechte, Gewalt gegen Frauen bestrafen
6. Für bezahlbaren Wohnraum für alle
7. Höhere Steuern für Superreiche 
8. Für mehr Klima- und Umweltschutz
9. Freie Presse und Informationstransparenz bewahren
 

 

„Die Omas – das ist eine Haltung“

Nach eigenen Angaben engagieren sich deutschlandweit rund 50.000 Menschen in mehr als 600 Gruppen. In Bremen stehen etwa 300 Personen im Verteiler, viele von ihnen engagieren sich regelmäßig. 
Die Bewegung entstand 2017 in Österreich durch einen Facebook-Aufruf und verbreitete sich rasant. Seit 2018 gibt es sie auch in Deutschland. „Wichtig zu wissen ist: Die Omas gegen Rechts sind nicht immer Frauen, nicht zwingend alt und müssen keine Enkel haben“, lacht Sabine. „Die Omas, das ist eine Haltung.“ Zudem sind die Omas überparteilich und verstehen sich als zivilgesellschaftliche Initiative für ein respektvolles Miteinander. Bei all unseren Aktionen wenden wir uns aktiv gegen Hass und Gewalt, in Taten und besonders auch in der Sprache“, erklärt Rona. „Oft können wir bei Demonstrationen mit unseren positiven Liedern und Statements versöhnlich auf andere einwirken.“ 

 

Mahnwache am Bremer Rathaus

Wer am ersten Samstag im Monat zwischen 13 und 14 Uhr am Bremer Rathaus vorbeikommt, hört sie vielleicht schon von Weitem. Denn die Bremer Omas fallen nicht nur durch ihre bunte Kleidung oder die obligatorischen Buttons und Schilder auf, sondern auch mit ihrem Chor. 

Rund 20 Aktive treffen sich hierzu regelmäßig zum Proben in der Bremer Neustadt. Dafür werden bekannte Lieder umgedichtet, passend zum Thema der jeweiligen Mahnwache. Im März ging es um Frauenrechte, im April um Klimagerechtigkeit. „Wir haben eine wunderbare Chorleiterin, die auch streng ist“, lacht Rona, „und ein fantastisches Dichterinnen-Kollektiv, das unsere Texte schreibt.“ Das Ergebnis: Die Menschen bleiben stehen, hören zu und schließen sich der immer fröhlichen, bunten Truppe oft sogar direkt an. 

Zusätzlich zu den Mahnwachen kommen etwa zehn bis zwölf größere Aktionen im Jahr: So begleiten die Omas den CSD, sind beim Tag der älteren Generation dabei oder bei Stadtteilfesten und auf Wochenmärkten. Und oft eben auch ganz schnell dort, wo Vertreter rechter Parteien einen Stand aufbauen. „Unser Netzwerk funktioniert so gut“, berichtet Sabine, „dass wir meistens da sind, bevor sie sich richtig eingerichtet haben.“ Besonders dort wollen die Omas mit Menschen ins Gespräch kommen, zuhören und erklären, was es bedeutet, wenn demokratische Rechte eingeschränkt werden und die Ausgrenzung zunimmt.

 

Eine Generation meldet sich zurück

Viele der Engagierten waren schon in ihren jungen Jahren politisch aktiv. „Wir sind einfach diese Generation, die sich einmischt. Bis auf wenige Jahre habe ich mich eigentlich immer irgendwie und irgendwo engagiert. Als alleinerziehende Mutter, selbstständig mit kleinem Kind, wurde ich woanders gebraucht“, sagt Rona. „Aber jetzt bin ich in Rente. Jetzt habe ich Zeit. Und die möchte ich nutzen.“ 
Sorge bereitet den beiden Frauen vor allem die politische Entwicklung und der Rechtsruck in großen Teilen der Gesellschaft. Sabine sagt: „Wenn demokratische Grundwerte in Frage gestellt oder immer mehr relativiert werden, betrifft uns das alle.“ Sie beobachten aufmerksam, wie sich politische Mehrheiten verschieben und haben Angst davor, was das etwa für Schulen, Kultur oder den Umgang mit Minderheiten bedeuten könnte.

Gleichzeitig erleben sie für ihr Tun viel Zustimmung. Ein Lächeln in der Straßenbahn. Ein Daumen nach oben. Gespräche im Supermarkt, weil beide ihren Button sichtbar tragen. „In Bremen fühlen wir uns derzeit überwiegend und fast überall willkommen und sicher“, erzählt Rona. „Aber wir wissen auch: Das ist nicht selbstverständlich.“ Beim Austausch mit Gruppen außerhalb der Großstädte und auch in Ostdeutschland hören sie von ganz anderen Bedingungen. „Vor allem in den ländlichen Bereichen braucht es dort derzeit viel Mut, um sichtbar gegen die aktuellen Entwicklungen zu demonstrieren“, erklärt Sabine. Darum helfe den Gruppen der Austausch und die Unterstützung untereinander.

 

Veränderung beginnt im Treppenhaus

Was die beiden sich von den Menschen um sich herum ganz konkret wünschen? „Wieder mehr echtes Miteinander“, sagt Rona, ohne zu zögern. „Ein Gruß im Treppenhaus. Hilfe beim Einkauf. Ein Gespräch auf der Bank vor dem Haus. Vorurteile entstehen oft dort, wo Menschen sich fremd bleiben. Doch wer miteinander spricht, merkt meist schnell: Wir haben mehr gemeinsam, als wir dachten.“
Sabine wünscht sich von der Politik mehr Haltung. „Entscheidungen sollten aus Überzeugung getroffen werden, nicht aus taktischen 

Gründen oder geleitet von persönlichen Interessen der Politikerinnen und Politiker.“
Natürlich freuen sich die Omas immer über Unterstützung, ob leise oder laut. Wer mitmachen will, ist herzlich zur Teilnahme an jeder Aktion eingeladen – Infos darüber, wo sie in Bremen wann dabei sind, werden auf der Website zusammengetragen. Wer nicht demonstrieren möchte, kann trotzdem aktiv werden: sich informieren, zum Beispiel im Stadtteilbeirat, wählen gehen, sich ehrenamtlich engagieren oder, so Rona: „ganz einfach im Alltag Haltung zeigen“.

 

Eine Botschaft an die Nachbarschaft

In den Quartieren der GEWOBA leben Menschen aus vielen Kulturen und unterschiedlichen Religionen Tür an Tür. Rona und Sabine sind überzeugt: Genau diese Vielfalt kann eine Stärke für alle sein.

„Demokratie ist nichts Abstraktes“, meinen  Sabine und Rona. „Sie passiert jeden Tag, und wir alle sind ein Teil davon. Wir können und sollten uns aktiv beteiligen und mitgestalten. Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken und ‚die da oben‘ einfach machen lassen. Wir sehen, was geschieht. Und wir schauen nicht weg.“ 

Mehr erfahren 

An jedem ersten Samstag im Monat  von 13 bis 14 Uhr treffen sich die Omas zu einer Mahnwache am Bremer Rathaus. Interessierte sind herzlich eingeladen vorbeizukommen, zuzuhören, ins Gespräch zu kommen oder einfach direkt mitzumachen.