Die Kunsthalle Bremen hat über zwei Jahre ihre historischen „Handzeichnungen“ aus dem Bestand im Kupferstichkabinett gesichtet und digitalisiert. Dieses Forschungsprojekt ist nun abgeschlossen und förderte einen „Schatz“ zutage. Von den rund 1.800 Zeichnungen aus der Zeit von 1870 bis 1955 sind ein Viertel von Frauen angefertigt – und bisher kaum öffentlich gezeigt. Das ist außergewöhnlich, denn in der allgemeinen Sammlung der Kunsthalle liegt der Anteil bei unter fünf Prozent. Allerdings war es bis 1919 den Frauen auch gar nicht erlaubt, an Kunstakademien zu studieren. Sie fanden ihren eigenen persönlichen Weg, meist unter schwierigen Bedingungen. Einige konnten sich professionelle Ausbildung durch privaten Unterricht ermöglichen. Bereits 1899 entstand der Bremer Malerinnen-Verband.
Weniger bekannte Bremer Künstlerinnen (wieder) entdecken
Diese vielfältigen Erkenntnisse sind jetzt in einer besonderen Ausstellung zu sehen. In zwei Räumen wird eine Auswahl von 60 Werken präsentiert. Diese erzählen vom künstlerischen Ehrgeiz der Frauen und von der Bedeutung für das kulturelle Leben in Bremen. Dazu gehören selbstverständlich auch die Zeichnungen von Paula Modersohn-Becker oder Clara Rilke-Westhoff. Aber viele andere bisher wenig bekannte Künstlerinnen beschäftigten sich mit Stillleben, Landschaften und Porträts, wie Elisabeth Noltenius mit ihren Federzeichnungen von Bauern. Ebenso die feinen Handstudien von Magda Knoll um 1920.
Das Hauptmotiv der Ausstellung bildet das farbige Aquarell „Apfelsine“ von Anna Plate aus dem Jahr 1932. Wunderschön sind auch die zierlich ausradierten bunten „Jahreszeiten“ von Louise Kugler aus 1870. Ebenso beeindrucken die Kohlezeichnungen von Toni Elster 1930, sie widmete sich bevorzugt den Bremer Häfen oder Detailstudien wie die “Hand” von Magda Knoll.
Dieser neue Blick auf Bremer Künstlerinnen lohnt sich!
„Mehr Frauen! Bremer Künstlerinnen auf Papier“ (bis zum 6. November 2026)
Farb-Katalog für 12 Euro erhältlich