Header

Presse

Header

Ein Mann ist im Gespräch mit einer Person gegenüber zu sehen

GEWOBA Vorstandsmitglied Manfred Corbach im Gespräch mit Redakteurin Katharina Schwarz zum Thema Inklusion im Unternehmen

GEWOBA Vorstandsmitglied Manfred Corbach im Gespräch mit Redakteurin Katharina Schwarz zum Thema Inklusion im Unternehmen

Ein Mann redet und unterstreicht das Gesagte mit Handgesten
Menschen in einer Workshop Situation mit Whiteboard und Stühlen
Sylvia Schikker - GEWOBA Pressesprecherin

Sylvia Schikker

Pressesprecherin

0421 36 72-1 01

schikker@gewoba.de 

Wie können Menschen weiterarbeiten, wenn sich ihre gesundheitlichen Voraussetzungen verändern? Die GEWOBA entwickelt ihre Inklusionsarbeit seit April 2026 gemeinsam mit dem Projekt Inklupreneur weiter. Vorstand Manfred Corbach erläutert, welche Erfahrungen das Wohnungsunternehmen einbringt, was die externe Begleitung sichtbar macht und welche Aufgaben Führungskräfte und Belegschaft übernehmen.

Seit 2001 verfügt die GEWOBA über eine Integrationsvereinbarung; eine Schwerbehindertenvertretung gehört ebenfalls zu den bestehenden Strukturen. Beschäftigte mit gesundheitlichen Einschränkungen konnten weiterbeschäftigt oder in neue Aufgaben begleitet werden. Auch junge Menschen mit Beeinträchtigungen wurden während ihrer Ausbildung unterstützt. Im laufenden Projekt untersucht die GEWOBA gemeinsam mit Inklupreneur Barrieren im Arbeitsalltag und erarbeitet Möglichkeiten für Verbesserungen. 
 

Herr Corbach, welche Rolle spielt Inklusion für die GEWOBA als Arbeitgeberin und Wohnungsunternehmen? 

Manfred Corbach: „Mit der Lebenserfahrung wächst das Bewusstsein dafür, dass jede und jeder von uns durch eine Krise gesundheitliche Einschränkungen erleiden kann, ob körperlich oder psychisch. Inklusion betrifft deshalb nicht nur eine kleine Gruppe, sondern uns alle. Das betrifft unsere Rolle als Arbeitgeberin ebenso wie unseren Auftrag als Wohnungsunternehmen. Unsere inklusiven Wohnprojekte zeigen, wie wertvoll es ist, wenn Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ganz selbstverständlich zusammenleben können. Diese Offenheit brauchen wir auch in der Arbeitswelt: Menschen dürfen nicht ausgeschlossen werden, nur weil sich ihre Lebenssituation verändert oder sie andere Bedingungen benötigen.“ 

Wie unterstützt die GEWOBA Beschäftigte, deren gesundheitliche Voraussetzungen sich verändern? 

„Arbeitsplätze sollten möglichst so gestaltet oder angepasst werden können, dass Menschen auch nach einer Erkrankung oder mit einer Beeinträchtigung weiterarbeiten können. Wir haben bei der GEWOBA in den vergangenen Jahren erlebt, dass sich das Leben von Kolleginnen und Kollegen plötzlich verändert hat. Dann haben wir gemeinsam nach Lösungen gesucht: durch andere Aufgaben, einen angepassten Arbeitsplatz oder veränderte Arbeitsbedingungen. Dabei haben wir viel gelernt, sind aber noch lange nicht am Ziel. Genau deshalb ist das Projekt mit Inklupreneur wichtig: Es hilft uns, Barrieren zu erkennen, an die wir im Alltag bisher nicht gedacht haben.“ 

Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihnen die bisherige Zusammenarbeit mit Inklupreneur? 

„Besonders deutlich wurde für mich, dass nicht jede Einschränkung sichtbar ist. Bei einer Begehung unseres Hauses erzählte eine Expertin aus dem Inklupreneur-Team, dass sie Autistin ist und dass sehr helle oder große Räume mit vielen Arbeitsplätzen für sie persönlich eine Belastung sein können. Für mich ist viel Licht beim Arbeiten wichtig. Dass ein anderer Mensch genau das Gegenteil benötigt, hatte ich vorher nicht im Blick. Solche Begegnungen machen sensibler. Sie zeigen, wie individuell gute Arbeitsbedingungen sein können.“ 

Was ist bei der Rückkehr nach einer Erkrankung oder einem Unfall wichtig? 

„Wer durch eine Erkrankung oder einen Unfall plötzlich mit Einschränkungen leben muss, macht sich meist auch Sorgen um den Arbeitsplatz und die eigene Existenz. Die erste Botschaft an unsere Mitarbeitenden ist daher immer: Sprechen Sie frühzeitig mit uns. Wir suchen gemeinsam nach einer Lösung. Manchmal braucht es eine längere Genesungs- und Wiedereingliederungsphase, manchmal andere Aufgaben, einen veränderten Arbeitsplatz oder die Möglichkeit des Homeoffice. Dabei müssen beide Seiten bereit sein, neue Wege zu gehen. Unser Anspruch ist in jedem Fall, Beschäftigung zu erhalten, wenn dies möglich und gewünscht ist.“

 Welche Haltung braucht es für Inklusion im Arbeitsalltag? 

„Inklusion beginnt im Kopf, mit der Haltung, niemanden ausschließen zu wollen, und mit dem Bewusstsein: Auch ich könnte im Laufe meines Lebens betroffen sein. Wir sollten einander mit Verständnis begegnen, nicht vorschnell urteilen und bei Bedarf nachfragen, um Missverständnisse zu klären.“

Welche Aufgaben haben Führungskräfte, und welche Rolle spielt die Belegschaft? 

„Führungskräfte müssen aufmerksam sein, erst einmal beobachten und gemeinsam mit den beteiligten Kolleginnen und Kollegen nach Lösungen suchen. Dafür braucht es Wissen und regelmäßige Sensibilisierung. Aber Inklusion ist keine reine Führungsaufgabe. Sie gelingt nur, wenn alle offen aufeinander zugehen. Dazu gehört auch, individuelle Vereinbarungen im Arbeitsalltag mitzutragen und zu verstehen, warum eine Kollegin oder ein Kollege andere Rahmenbedingungen benötigt. Die Schwerbehindertenvertretung, der Personalbereich und weitere Ansprechpersonen bei der GEWOBA unterstützen und vermitteln dabei.“

Was möchten Sie Beschäftigten und Bewerbenden mit einer Beeinträchtigung mitgeben? 

„Niemand sollte befürchten müssen, wegen einer Beeinträchtigung weniger Chancen zu haben. Beschäftigte, die unsicher sind, können sich an eine vertraute Person wenden, etwa an ihre Führungskraft, den Personalbereich oder die Schwerbehindertenvertretung. Und auch Menschen, die sich für eine Tätigkeit bei der GEWOBA interessieren, möchte ich ermutigen, auf uns zuzukommen und sich zu bewerben. Wichtig ist, offen miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam zu schauen, welche Bedingungen für eine gute Zusammenarbeit erforderlich sind.“

Wie verbindet sich das Thema mit der Quartiersentwicklung? 

„Neben inklusiven Wohnprojekten bieten wir auch Gewerberäume für Projekte mit Inklusionsansatz. Im Q45, einem neuen Quartiersprojekt der GEWOBA in Bremen, soll 2027 ein inklusiv betriebenes Café wie auch eine Fahrradwerkstatt eröffnen. Ich möchte dazu ermuntern, das Café sowie andere Einrichtungen dieser Art zu besuchen und damit aktiv zu unterstützen. Solche Angebote können sich nur dauerhaft etablieren, wenn sie angenommen werden. So kann jede und jeder ganz konkret dazu beitragen, dass gelebte Inklusion im Alltag gelingt.“

Zum Hintergrund: Was ist Inklupreneur? 

Der Name Inklupreneur verbindet „Inklusion“ und „Entrepreneurship“. Das Projekt der gemeinnützigen Hilfswerft gGmbH unterstützt Unternehmen dabei, Inklusion in der Arbeitswelt zu verankern und mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen zu schaffen. Gemeinsam mit Coaches, Fachleuten und Mentorinnen und Mentoren mit Behinderungen entwickeln die teilnehmenden Unternehmen passende Inklusionskonzepte. Die Begleitung reicht von der Analyse bestehender Barrieren über eine inklusivere Gestaltung von Recruiting und Onboarding bis zur Umsetzung konkreter Maßnahmen im Arbeitsalltag. In Bremen wird das Projekt durch die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration aus Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds Plus gefördert. 

Weitere Informationen unter inklupreneur.de 

Das Interview führte Katharina Schwarz

Ein Mann ist im Gespräch mit einer Person gegenüber zu sehen

GEWOBA Vorstandsmitglied Manfred Corbach im Gespräch mit Redakteurin Katharina Schwarz zum Thema Inklusion im Unternehmen

Ein Mann redet und unterstreicht das Gesagte mit Handgesten
Menschen in einer Workshop Situation mit Whiteboard und Stühlen